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JAKOB MATZNER

Mitglied des ersten Vorstands der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden

David Jakob (Jacques, auch Jack) Matzner

Geboren am 14. August 1904 in Wiesbaden
Eltern: Eisig Matzner und Zlatta geb. Bogler

1920

Beginn einer kaufmännischen Lehre bei Gebr. Abraham in Wiesbaden-Bierstadt.

Mitarbeit im familieneigenen Leinenwarengeschäft, Sedanstraße 7, Wiesbaden.

1931
1938

Abschiebung über Beuthen nach Katowice und nach kurzer Zeit illegale Rückkehr nach Wiesbaden.

Emigration mit Eltern und Geschwistern nach Belgien.

1939
1940

Kurz vor dem deutschen Überfall auf Belgien Flucht nach
Frankreich, im August Internierung im Lager Drancy.

Nach Freilassung erneute Internierung im Lager Drancy. Inhaftierung in deutschen KZ-Lagern sowie Zwangsarbeit bei den Heinkel-Werken in Wismar.

1941
1945

Befreiung durch russische Truppen und Rückkehr nach Wiesbaden.

Von seiner Familie überlebten lediglich die beiden Brüder Abraham Markus und Leo Matzner. Mit Leo Matzner feierte Jack 1947 gemeinsam Pessach in Wiesbaden. Leo Matzner wanderte mit seiner Frau ebenfalls in die USA aus. Die Schwestern Rosa und Lotte sowie Vater Eisig wurden in Auschwitz ermordet. Mutter Zlatta starb 1941 in Antwerpen.

Der Versuch, ein neues Leben in Wiesbaden aufzubauen

Im Januar 1946 wurde Jakob Matzner in den zu dieser Zeit aus neun Personen bestehenden Vorstand gewählt, der damals noch als Komitee firmierte. Als einzige Frau war Claire Guthmann Mitglied des Vorstands. Jakob Matzner verwaltete die Finanzen der Gemeinde und stellte im Februar 1946 einen Antrag, ausgewanderte deutsche Juden vertreten zu dürfen. Die Einrichtung des „Büros zur Wahrnehmung und Vertretung der noch in Deutschland verbliebenen Interessen ausgewanderter Juden“ wurde genehmigt. Im gleichen Monat stellte er einen Antrag auf Entschädigung beim „Office of Military Government for Greater Hesse, Property Control Section“. Major Roy N. Eddy fasste im April 1946 die Ergebnisse der Untersuchung des Falls im Namen des Commanding Officers zusammen: „[…] [I]t is the opinion of the Public Safety Office that this man’s (Jakob Matzner) claims, though they may be justified, are beyond any possibilities of restitution being made by American Authorities for the actions of the Gestapo eight years ago.” [„Nach Auffassung des Public Safety Offices können die Forderungen des Herrn Matzner, auch wenn sie wohl gerechtfertigt erscheinen, wegen des Vorgehens der Gestapo vor acht Jahren nicht durch die Amerikanischen Obrigkeiten entschädigt werden.“] Matzner hatte sich um Entschädigung für die Ausweisung seiner Familie am 28. Oktober 1938 nach Polen und der damit verbundenen Enteignung bemüht.

1948 heiratete Jakob Matzner Lucina Landerer in Wiesbaden. 1949 eröffnete er einen Textilhandel hier, emigrierte aber mit Frau und Kind schon ein Jahr später in die USA.

Jakob Matzner stirbt 1986 in Florida.

Bei der Wiedereinweihung der Synagoge 1946 trug Jakob Matzner eine Thorarolle, die sein Vater Eisig nach den Novemberpogromen 1938 vor der geschändeten Synagoge in der Friedrichstraße gerettet hatte. Ihm gelang es gemeinsam mit seinem Sohn Jakob, sie in die Schweiz zu schicken, wo sie bis zu ihrer Rückführung 1946 sicher verwahrt wurde.