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1965

Grundsteinlegung für die Synagoge 1965

Da die 1946 wiedergeweihte Synagoge umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen erforderte, die sich die Jüdische Gemeinde Wiesbaden kaum leisten konnte, entschied die Gemeinde nach langen internen Gesprächen, ein neues Gemeindezentrum und eine neue Synagoge zu bauen.

Nach den notdürftigen Reparaturen für die Wiedereinweihung 1946 hatte sich der schlechte Erhaltungszustand der 1882 erbauten Synagoge nicht wesentlich gebessert. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde um Naftali Rottenberg sprach regelmäßig persönlich bei den städtischen Ämtern vor, um finanzielle Unterstützung für die Instandhaltungsarbeiten einzuwerben. In der Besprechung 1959 gab der Vorstand schließlich an, dass die Synagoge mittlerweile baufällig sei. Weil die Instandhaltungskosten die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde weit überschritten, entschied er sich schließlich, einen Neubau des Geschäftshauses Friedrichstraße 31 und der Synagoge anzustreben. 1963 legten die Frankfurter Architekten Ignatz Jakubowitz und Helmut Joos die Pläne für den Neubau einer Synagoge mit siebengeschossigem Büro- und Geschäftshaus auf dem Grundstück Friedrichstraße 31 und 33 vor, denen der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden 1964 zustimmte. In der Planungsphase des Neubaus hatte sich die Landeshauptstadt bereits dazu entschlossen, die Jüdische Gemeinde finanziell bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Am 29. November 1963 veröffentliche der Wiesbadener Kurier hierzu eine kurze Meldung.

Friedrich Reichmann war maßgeblich für die um die Umsetzung des Neubaus verantwortlich, seine Einweihung erlebte er nicht

Die Grundsteinlegung musste wegen des Gesundheitszustandes des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Dr. Friedrich Reichmann mehrmals verschoben werden. Seit 1960 in Wiesbaden setzte sich Reichmann mit großem Engagement für den Neubau des Gemeindezentrums und der Synagoge ein, der den Bedürfnissen der Gemeinde gerecht werden sollte. Reichmann war nicht nur in der Jüdischen Gemeinde aktiv, sondern auch Teil des Vorstands der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Die Gesellschaft unterstützte den geplanten Neubau und rief die Bürgerschaft erfolgreich zu Spenden für das Gemeindezentrum auf. Die Zusammenarbeit zwischen Jüdischer Gemeinde und Stadt verlief nicht immer reibungsfrei. Friedrich Reichmann diskutierte insbesondere mit Oberbürgermeister Georg Buch, selbst Verfolgter des NS-Regimes, gelegentlich leidenschaftlich. Für den 4. April 1965, 11 Uhr, konnten die Vorstandsmitglieder Leo Keh und Samuel Mandelbaum zur Grundsteinlegung einladen.

Die Feierlichkeiten eröffnete Dr. Reichmann mit drei Gongschlägen. Es folgten Ansprachen des Landesrabbiners Dr. Lichtigfeld, des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Wiesbaden Buch, Oberschulrat Dr. Ehrhardt sprach als Vertreter des Hessischen Kultusministeriums, Pfarrer Götting für das Evangelische Dekanat und Pfarrer Jung von Maria-Hilf für die katholische Kirche. Auch Wilhelm Freund, Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit war um einen Redebeitrag gebeten worden. Ebenfalls anwesend war Avigdor Zuker, der 1977 Kantor und Religionslehrer der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden werden sollte. Die Veranstaltung beschloss das Einmauern der Gründungsurkunde.

Die Einweihung des Synagogenneubaus am 11. September 1966 erlebte Dr. Friedrich Reichmann nicht mehr mit. Er verstarb wenige Wochen zuvor.